March 26, 202000:10:57

Der Kampf um die Welt nach Corona hat schon begonnen

Wir stehen am Beginn einer globalen Wirtschaftskrise. Wie sie genau verlaufen wird ist offen, aber schon jetzt ist klar: Nach Corona wird die Welt eine andere sein. Wie genau diese neue Welt aussehen wird, ist noch offen – und hängt auch von uns ab, schreibt Lisa Mittendrein. Die Corona-Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung legen weite Bereiche der Wirtschaft still. Das ist erst einmal gut so. Schließlich bedeutet das: In unserer Gesellschaft sind Menschenleben immer noch mehr wert als die Profite Weniger und die Aufrechterhaltung des Status Quo. Es bedeutet aber auch, dass wir es mit einer neuen Form der Wirtschaftskrise zu tun haben. Aber von vorne, was geschieht gerade? Fabriken stehen still, globale Lieferketten sind unterbrochen, Geschäfte und Restaurants sind zu. Es wird weniger Lohnarbeit erbracht, Umsätze und Profite brechen ein und in Folge auch das Bruttoinlandsprodukt. Viele Menschen verlieren ihr Einkommen, können weniger Geld ausgeben, erleben Armut und Not. Und weil Unternehmen und Banken erwarten, dass die Krise länger anhält, gibt es auch keine neuen Investitionen. Die Schwäche des neoliberalen Kapitalismus Dass eine Pandemie schwere wirtschaftliche Folgen hat, ist klar. Doch die Folgen, die wir jetzt sehen, sind spezifisch für den neoliberalen Kapitalismus, in dem wir leben. Erstens trifft die Pandemie auf eine Weltwirtschaft, in der sich schon seit 2019 ein Abschwung abzeichnete. Die Profitraten waren bereits vor Corona niedrig, die Schulden der Unternehmen hoch, die Reserven ausgedünnt und die bezahlten Arbeitsstunden nahmen weltweit ab. Viele europäische Staaten sind durch die Kürzungspolitik nach der Eurokrise finanziell und infrastrukturell schlecht aufgestellt. Welthandel und Finanzmärkte machen alles nur schlimmer Zweitens ist das neoliberale Welthandelssystem nicht nur ungerecht und klimaschädlich, sondern macht uns auch besonders verwundbar. Wenige Konzerne kontrollieren heute die Produktion wichtiger Güter und haben diese in Weltregionen verlagert, in denen sie besonders große Profite machen können. Die aktuellen Engpässe bei Beatmungsgeräten und Medikamenten sind die Folge davon, dass Unternehmen entscheiden dürfen, was und wo sie produzieren, als wäre das eine private Angelegenheit. Drittens droht nun eine neue Finanzkrise die Lage weiter zu verschlimmern. Denn die globalen Finanzmärkte sind instabil und riesig aufgebläht. Die Preise von Aktien, Anleihen und Immobilien sind zuletzt extrem gestiegen. Grund dafür ist auch das billige Geld, das die Zentralbanken nach der letzten Krise in die Märkte gepumpt haben und das zur Spekulation genutzt wird. Viele Banken sind nach wie vor instabil und der unregulierte Handel mit Finanzprodukten außerhalb der Börsen ist größer als je zuvor. Was als wichtig, was als verzichtbar gilt Viertens erleben wir nun die schlimmen Folgen der Kürzungspolitik und der schlechten Absicherung von Sorge-, Fürsorge- und Vorsorgearbeit in unserer Gesellschaft. Die Arbeit von Pfleger*innen und Ärzt*innen, Bäuer*innen und Landarbeiter*innen oder Reinigungspersonal war schon bisher zu gering entlohnt und zu stark belastet. Nun drohen diese so wichtigen Sektoren unter dem Druck der Pandemie zusammenzubrechen. Fünftens führt uns die herrschende Politik gerade vor, was in unserer Gesellschaft als notwendig gilt – und was als verzichtbar. Denn die Devise lautet: Sofern möglich, muss derzeit alle Lohnarbeit weitergehen, nicht nur jene in lebenswichtigen Sektoren – trotz Ansteckungsrisiko. Worauf wir verzichten müssen, sind unsere Freund*innen und Familien, Kultur und Abhängen im Park. Wie tief die Wirtschaftskrise wird Wahrscheinlich wird die Corona-Krise zur schlimmsten Wirtschaftskrise der vergangenen Jahrzehnte. Wie tief sie genau wird, hängt vor allem davon ab, wie lange die derzeitigen Maßnahmen in Kraft bleiben.

No transcript available.