Die Corona-Krise offenbarte, wie wichtig die Arbeit von 24-Stunden-Betreuer*innen ist. Doch an ihren miesen Arbeitsbedingungen ändert sich nicht. Im Gegenteil: Sie verschlechtern sich sogar, wie Flavia Matei schreibt. Zunehmend organisieren sich die Betreuer*innen. 24-Stunden-Personenbetreuer*innen sind unverzichtbar, mies bezahlt, prekär beschäftigt und wenig gewürdigt. Sie arbeiten als Ein-Personen-Unternehmen, sind jedoch meist nur scheinselbstständig und vollkommen von Vermittlungsagenturen abhängig. Soweit, so bekannt. Neu ist das durch die Corona-Krise entstandene öffentliche Interesse an ihnen, neu sind aber auch damit einhergehenden Probleme. Wie die Waren „Normalerweise sind wir für einen Großteil der Gesellschaft trotz unserer wichtigen Arbeit unsichtbar. Aber jetzt bemerken gerade sehr viel mehr Leute, wie wichtig unsere Arbeit ist. Und trotzdem werden in der Krise die Bedingungen für uns gerade schlechter statt besser“, erzählte uns eine Betreuerin, die sich in der Gruppe „DREPT pentru ingrijire“ („Gerechtigkeit für Pflege und Betreuung“) engagiert. Während für den Großteil der Gesellschaft strenge Schutzmaßnahmen gelten, verfügen Staaten über migrantische Arbeiter*innen wie über Waren. Auf Initiative der Wirtschaftskammer und des Landes Niederösterreich wurden Anfang letzter Woche 281 Betreuer*innen aus Rumänien und Bulgarien eingeflogen. Das Land übernahm die Flugkosten, die Wirtschaftskammer die Kosten für die erforderliche Hotelunterbringung für die 14-tägige Quarantäne. Sie ließen sich dafür medial abfeiern. In die zweiwöchige Quarantäne müssen die Betreuer*innen, weil sie zynischerweise nicht zu den „systemrelevanten Berufsgruppen“ gezählt werden und daher keinen Zugang zu medizinischen Tests haben. Diese Zeit wird nicht bezahlt. Die Betroffenen müssen nun sechs Wochen in Österreich verbringen und bekommen nur vier Wochen bezahlt. Es fehlt an allem Die Vermittlungsfirmen haben großes ökonomisches Interesse, möglichst viele Betreuer*innen auch jetzt in Österreich zu halten. Sie üben enormen Druck auf diese aus, länger zu bleiben. Die Agenturen arbeiten dabei mit Angstmache und Verunsicherung. Oft haben sie Inkassovollmachten für die Betreuer*innen. Viele von ihnen sind verständlicherweise psychisch und emotional am Ende. Sie wollen heim zu ihren Familien, sitzen stattdessen seit sechs oder gar sieben Wochen, meist komplett isoliert irgendwo in Österreich mit der pflegebedürftigen Person, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Es fehlt an allem: an Kontakt, Arbeitsunterbrechungen, psychologischer Hilfe und alltäglicher Unterstützung. Besonders hart trifft es rumänische Kolleg*innen, die mehr als die Hälfte der Betreuer* innen in Österreich stellen. Während es eine klare Regelung für die Ein- und Ausreise slowakischer Kolleg*innen (die etwa ein Drittel aller Betreuer*innen ausmachen) gibt, sind die Frauen* aus Rumänien den sich ständig ändernden Grenzöffnungen und -schließungen Ungarns und Rumäniens ausgesetzt. An- und Abreise in den bis auf den letzten Platz gefüllten Minibussen stellen ein massives Ansteckungsrisiko dar. Auch der Zugang zum Härtefallfonds, auf den die Betreuer*innen grundsätzlich Anspruch hätten, da sie zu 99 Prozent als Ein-Personen-Unternehmen arbeiten, ist voller Hürden. Die erste Hürde ist die Sprache: Das Antragsformular gibt es nur auf Deutsch, das viele der Betreuer*innen nicht gut genug sprechen. Hinzu kommt, dass 24-Stunden-Betreuer*innen nur um eine Unterstützung ansuchen können, wenn sie eine Steuernummer und ein österreichisches Konto haben. Beides haben die wenigsten. Das Ergebnis: Sie arbeiten in Österreich, zahlen hier ihre Sozialabgaben und haben trotzdem keinen Zugang zu den Förderungen des Härtefallfonds. Soziale Notwehr Einige rumänische Betreuer*innen haben sich nun in der aktivistischen Gruppe „DREPT pentru ingrijire“ organisiert.
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