Die Initiative SOS Balkanroute ist die diesjährige Ute-Bock-Preisträgerin. Ein ausgezeichneter Anlass, drei der vielen Beteiligten zum Gespräch zu bitten: mosaik-Redakteurin Franziska Wallner unterhielt sich mit Petar „Pero“ Rosandić, auch bekannt als Rapper Kid Pex, Jasmin Dopfer, schon lange in der Geflüchtetenarbeit aktiv, und Kathi Simunic, die schon öfter bei den Spendenfahrten nach Bosnien dabei war und gerade einen Film über die EU-Grenzpolitik dreht. mosaik: Könnt ihr kurz erklären, was SOS Balkanroute ist und wie sich die Initiative entwickelt hat? Pero: Angefangen hat es im Sommer 2019, als Brigitte Holzinger aus Oberösterreich angerufen hat, um mehr über die Situation in Bosnien zu erfahren. Sie hatte auch Kontakt zu Dirk Planert, einem Flüchtlingshelfer aus Deutschland, der im Horror-Camp Vučjak die ehrenamtliche Ambulanz geleitet hat. Und dann haben wir einfach angefangen zu sammeln und sind die ersten Male ein bisschen naiv und dilettantisch nach Bosnien gefahren. Wir waren sehr eingenommen von den Eindrücken und schockiert, dass so nahe von Österreich so etwas passiert. Auf der Rückfahrt nach Österreich haben wir beschlossen, dass wir weiter machen. Mittlerweile waren wir acht Mal unten, das Ganze ist ziemlich gewachsen und es sind etliche Leute involviert. Wir sind also schon länger am Start, waren den ganzen Winter immer wieder dort und jetzt bekommen wir sogar den Ute-Bock-Preis. Alles ging sehr schnell. Jasmin: Wir können leider keine Lösung anbieten, wir sind nur Feuerlöscher. Aber es ist trotzdem gut, dass wir so viel bewegen konnten, gerade in der Corona-Krise. Seit Anfang der Krise konnten wir 13.000 Euro hinschicken. Das ist für uns eine beträchtliche Summe. Wir versuchen wirklich so breit wie möglich zu unterstützen, auch wenn es ein bisschen wie David gegen Goliath ist. Wichtig ist uns, dass wir die Helfer*innen vor Ort mit Hilfsgütern und auch mit Geldspenden unterstützen, sodass sie besser arbeiten können. Gab es in Bosnien schon Netzwerke, an die ihr andocken konntet? Kathi: Naja, in Bosnien gibt es ganz viele Einzelpersonen, die einen Job haben und nach ihrem Job nach Hause gehen und tausend Nachrichten von Leuten haben, die hungrig sind, die Schuhe brauchen, die keine Decke haben. Und diese Menschen fahren dann die ganze Nacht durch die Gegend und schauen, dass sie so gut es geht verteilen. Das machen sie seit Jahren. Weil die Organisationen, die vor Ort sind, wie IOM (International Organisation for Migration, Anm.) in den Camps zum Beispiel nur 60 Prozent der Menschen mit Essen versorgen. Es gibt keine Kleidung, die ausgeteilt wird, es gibt teilweise keine Duschen in den Camps. Die ganzen Organisationen kommen nur an, machen Fotos von den Menschen in der schrecklichen Situation und kassieren die Gelder dafür. Die Bosnier selber sind unglaublich herzliche Menschen, die wissen wie es ist in so einer Situation zu sein, weil der Krieg noch nicht so lange her ist. Das sind Leute, die anpacken und selber helfen. Aber über Jahre kann man das nicht stemmen. Was hat sich mit der Corona-Krise für die Geflüchteten in Bosnien und auch für eure Arbeit geändert? Jasmin: Es ist jetzt nochmals verschärft, weil die Leute in den Lagern eingesperrt sind, teilweise in Hallen ohne Tageslicht, und nicht genügend Essen bekommen. Viele hungern mittlerweile. Wir haben gerade Helfer*innen vor Ort, die versuchen, in diese Camps Essen reinbringen. Die müssen ganz lang mit den Instanzen reden, dass sie das überhaupt dürfen. Und wenn die Flüchtlinge rausgehen, dürfen sie nicht mehr zurück ins Camp und sind dann obdachlos auf der Straße. Es gibt ganz viele, die schon lange in leerstehenden Gebäuden leben. Unsere Helfer*innen vor Ort fahren dann hin und versorgen sie mit den notwendigsten Lebensmitteln. Sie graben sich ein Loch im Boden, machen eine Feuerstelle mit Gitterrost drüber und in einem Topf wird gekocht. Die ernähren sich von den Spenden,
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